In der Tradition der Meister

Gichin Funakoshi (1868 – 1957)

Gichin Funakoshi gilt als der „Vater des modernen Karates“. Er ist 1868 in Shuri auf der Insel Okinawa geboren und wurde schon ab seinem elften Lebensjahr von den Meistern Yasutsune Azato und Anko Itosu in der traditionellen Kampfkunst des Tôde bzw. Te von Okinawa unterrichtet. Das Tôde war eine seit Jahrhunderten im Verborgenen trainierte und praktizierte Kampfkunst, welche für die einfache Bevölkerung von Okinawa das letze Mittel zur Selbstverteidigung darstellte, nachdem die herrschenden Clans zwischen dem 15. Und 17. Jahr-hundert nacheinander die Kampf-künste, das Tragen von Waffen und schließlich auch das Tôde selbst unter Verbot stellten. Erst um die vergangene Jahrhundertwende kam es zu ersten öffentlichen Präsentationen des Tôde und zwischen 1903 und 1905 wurde es auch in den Lehrplan der öffentlichen Schulen von Okinawa aufgenommen. Als es galt, die Kampfkunst auf der japanischen Hauptinsel vorzustellen (1916 im Butokuden in Kyoto und 1922 auf dem Sporttag des Kultusministeriums in Tokyo), kam die Ehre dem damaligen Präsidenten der Okinawa Shobu Kai, Gichin Funakoshi, zu. Er war es auch, der Ende der 20er Jahre den neuen Namen Karate-Dô beförderte, nachdem das Tôde zwischenzeitlich auch unter der Bezeichnung Karate-Jutsu bekannt war. Und nicht nur die Kunst an sich bekam einen neuen Namen. Auch viele Techniken, die zunächst nur chinesische bzw. okinawanische Bezeichnungen hatten, erhielten von ihm eine Übersetzung, die von allen Japanern besser verstanden werden konnte. Es ging jedoch nicht nur um die Namen. Während vorher nur die Kata existierte, teilte Funakoshi die Trainingspraxis nun in drei Prinzipien: Kihon, Kata und Kumite. Der Durchbruch gelang, als er 1935 sein Buch Karte-Dô Kyôhan veröffentlichte und zwei Jahre später eine Reihe von Dojos und Verbänden in Okinawa sich dem Japanischen Verband für Kampfkünste anschlossen. Das erste unabhängige Honbu Dôjô (Zentraldôjô) wurde schließlich 1939 in Tokyo fertiggestellt (das Karate wurde davor vornehmlich an den verschiedenen Universitäten Japans praktiziert und gelehrt). Die Schüler des nun fast schon 71-jährigen benannten es nach Funakoshis Künstlernamen Shôtô- (Rauschen in den Kiefern) Kan (großes Gebäude, Halle). Leider wurde es bei einem Luftangriff 1945 völlig zerstört.

 

Nach weiterem erfolgreichen Wirken starb Gichin Funakoshi am 26. April 1957 in Tokyo.

Hidetaka Nishiyama,10. Dan (1928 - 2008)

Hidetaka Nishiyama ist 1928 in Tokyo geboren. Mit 15 Jahren begann er das Karatetraining bei Gichin Funakoshi im Shôtô-kan. 1945 nahm er sein Studium an der Takushoku-Universität auf und wurde Mitglied des dortigen Karateteams, das er von 1949 bis zu seiner Diplomierung 1951 anführte.

Als Mietglied im Führungsgremium der J.K.A wurde er mit Gichin Funakoshi, Masatoshi Nakayama und Isao Obata 1952 auserwählt, Offiziere und Unteroffiziere des Strategic Air Commands der Vereinigten Staaten in Karate zu unterrichten. Auch ein Jahr später gehörte er zur 10-köpfigen
japanischen Budo-Komission, die in die USA reiste, um den Unterricht fortzusetzen.

1961 übersiedelte er nach Kalifornien und gründete dort die All American Karate Federation (AAKF). Aus den karate-politischen Wirbeln um die ersten Weltmeisterschaften in Tokyo (1970) und Paris (1973) entstanden die beiden rivalisierenden Weltverbände World Union of Karate-do Organizations (WUKO) und International Amateur Karate Fedeation (IAKF). 

Nishiyama wurde zum erstem Exekutiv-Direktor der IAKF ernannt. 1985 änderte die IAKF ihren Namen in International Traditional Karate Federation (ITKF), um sich mit dem Wort „traditionell“ von einer Reihe von anderen Faust- und Kicksportarten zu unterscheiden, die inzwischen gleichfalls
als Karate bezeichnet wurden. Bis heute steht Hidetaka Nishiyama diesem Verband vor.

 Das außerordentlich hohe Fachwissen von Shihan Nishiyama ist weltweit unumstritten. Er brachte Schüler wie Hiroshi Shirai und Takeshi Oishi hervor und sein Buch „Die Kunst der leeren Hand“, das er zusammen mit Richard C. Brown veröffentlichte, gehört zu den wichtigsten Karatelektüren überhaupt.

 

Er verstarb am 7. November 2008 in Los Angeles (USA)

Hiroshi Shirai, 9. Dan

Hiroshi Shirai ist am 31.07. 1937 in Nagasaki geboren. Mit 18 beginnt er, Karate zu trainieren.
Schon 1957 erlangt er den 1. Dan-Grad und belegt 1961 und 1962 Spitzenplätze bei den japanischen Meisterschaften. Er absolviert den J.K.A-Instructors-Course und begibt sich von Februar bis Oktober 1965 mit den Meistern Kase, Kanazawa und Enoeda in die USA, nach Europa und Südafrika, um das Karate durch Präsentationen und Lehrgänge zu befördern.

Seit 1966 lebt Shihan Shirai in Italien. Durch die Gründung verschiedener Verbände, der Ausbildung einer Vielzahl von Meistern (Fugazza, Contarelli, Marchini u.a.) und jahrelangem Training hat er das Land zu einer der führenden Karatenationen gemacht.

Mit Masao Kawasoe und Takeshi Naito führt Hiroshi Shirai das World Shotokan Institute (W.S.I), das von ihm ins Leben gerufen wurde, um die Reinheit des Shotokan-Stils zu bewahren und die Errungenschaften jener 10 Jahre weiterzuführen, welche durch die konzentrierten Anstrengungen der J.K.A-Meister Nakayama, Nishiyama, Kase, Sugiura, Okazaki, Kanazawa, Mori und Mikami in der Zeit von 1955 bis 1965 erarbeitet wurden.

Noch heute ist Shihan Shirai in einer bestechenden Form. Seine Lehrgänge, auf denen er meist von Meisterschüler Dino Contarelli (7. Dan) begleitet wird, sind für jeden Karateka eine unvergleichliche Erfahrung.

Masao Kawasoe (8. Dan)

Masao Kawasoe ist 1945 in China geboren. Im Alter von 15 Jahren begann er in Kyushu (Süd-Japan) unter der Leitung von Sensei Tsuyama mit dem Karatetraining. Im Folgenden absolvierte er die berühmte Takushoku Universität. Seine Lehrer waren Sensei Nakayama und Sensei Kisaki.

Auf Vorschlag von Sensei Tsuyama wurde Masao Kawasoe in den Instructors-Course der J.K.A. aufge-nommen. Diesen schloß er mit Aus-zeichnung ab. Nach den Zwischen-stationen Formosa, Taiwan und Madagaskar lebt er seit Mitte der 70er Jahre in London.

Heute ist Shihan Kawasoe Cheftrainer von England, Schottland und Norwegen und leitet mit Hiroshi Shirai und Takeshi Naito das World Shotokan Institute (W.S.I).

Takeshi Naito (8. Dan)

Takeshi Naito wurde 1948 in Shizuoka, Japan geboren und begann im Jahre 1964 mit Karate.
 Als exzellenter Könner in Kata und Kumite war er von 1973 bis 1976 stets auf vorderen Plätzen der japanischen Meisterschaften zu finden.

Seit 1977 unterrichtet Shihan Naito das Fujiyama Milan, eines der berühmtesten Karatezentren Italiens.
Er ist seit vielen Jahren der stellvertretende Ausbilder von Shihan Hiroshi Shirai, den er auf vielen Lehrgängen rund um die Welt begleitet. Mit Shihan Shirai und Shihan Kawasoe leitet Takeshi Naito das World Shotokan Institute (W.S.I) und ist außerdem Kumite-Nationaltrainer Italiens.